Ratgeber · Recruiting
Woher nimmst du die Leute?
Die Methode kann man lernen. Der Engpass sind fast immer die Menschen, die sie anwenden sollen — und die findet man nicht mit einer normalen Stellenanzeige.
Worum es geht
Warum eure Stellenanzeige die Falschen anzieht
Die meisten Anzeigen für Vertriebler lesen sich wie Anzeigen für Sachbearbeiter. Firmenprofil, Anforderungsliste, „abgeschlossene kaufmännische Ausbildung", „mehrjährige Berufserfahrung", ganz unten irgendwo „leistungsgerechte Vergütung".
Das Problem ist nicht der Text. Das Problem ist, wen dieser Text erreicht.
Menschen, die aktiv nach einer Stelle suchen, sortieren nach Sicherheit, Titel und Rahmenbedingungen. Menschen, die im Direktvertrieb erfolgreich werden, sortieren nach etwas anderem: wie viel hier möglich ist und wie schnell es losgeht. Die zweite Gruppe sucht meistens gar nicht. Die arbeitet gerade woanders, verdient okay und wäre offen — wenn jemand mit einer besseren Zahl käme.
Eine Anzeige, die mit dem Unternehmen anfängt und mit dem Geld aufhört, erreicht Gruppe eins. Eine, die mit dem Geld anfängt und mit dem Weg dorthin weitermacht, erreicht Gruppe zwei.
Ihr sucht keine Bewerber. Ihr sucht Leute, die gerade nicht suchen.
Die einzige Zahl, die zählt
Im Photovoltaik-Direktvertrieb sind fünf- bis zehntausend Euro im Monat für jemanden, der liefert, keine Ausnahme, sondern das, was gute Leute verdienen. Wer deutlich darunter anbietet, bekommt sie nicht — oder bekommt die, die anderswo niemand wollte.
Das klingt nach einer Kostenfrage und ist keine. Bei einem Modell, das überwiegend an der Provision hängt, verdient dein Vertriebler zehntausend Euro nur dann, wenn er dir ein Vielfaches davon eingebracht hat. Die hohe Zahl ist kein Risiko, sie ist das Rekrutierungsargument.
Deshalb gehört sie nach vorne. Nicht als „attraktives Vergütungspaket", sondern als Zahl, in der Überschrift. Wer sie nicht hinschreibt, konkurriert mit allen anderen, die sie auch nicht hinschreiben — und aus dieser Menge wählt niemand euch aus.
Was ihr schreibt, muss erreichbar sein und zwar nicht nur vom Besten. Wenn die genannte Zahl im Team faktisch niemand erreicht, habt ihr kein Recruiting-Problem mehr, sondern ein Fluktuationsproblem — und einen Ruf, der euch vorauseilt. Nennt lieber eine Spanne, die stimmt, und sagt dazu, was der Durchschnitt macht.
Was eine Fehlbesetzung wirklich kostet
Im Kostenplan steht das Gehalt. Teuer wird etwas anderes.
- Zwei bis drei Anläufe pro Stelle, die hält. Im Direktvertrieb ist die Absprungquote strukturell hoch. Das ist kein Führungsversagen, das ist die Natur des Jobs — viele probieren es, wenige bleiben.
- Drei bis sechs Monate Anlauf. In dieser Zeit läuft das Gehalt, der Deckungsbeitrag aber noch nicht. Wer nach fünf Monaten geht, nimmt die komplette Investition mit.
- Deine eigene Zeit. Gespräche, Einarbeitung, Mitfahren, Nachhalten. Wenn der Geschäftsführer das nebenbei macht, kostet es das Teuerste, was der Betrieb hat.
- Der Schaden am Gebiet. Jemand, der schlecht an der Tür steht, verbrennt Straßen. Die kann man ein halbes Jahr lang nicht mehr sauber bearbeiten.
Rechne das einmal für eine einzige Fehlbesetzung durch, und die Frage ist nicht mehr, ob Auswahl Zeit kosten darf. Die Frage ist, warum sie bisher in zwanzig Minuten erledigt wurde.
Fünf Orte, an denen die Guten sind
1 · Andere Direktvertriebe
Wer schon an Türen stand, weiß, ob er es kann und ob er es will. Das ist die kürzeste Einarbeitung, die es gibt. Der Haken: Wer wechselt, wechselt auch wieder — bindet sie über Aufstieg, nicht nur über Provision.
2 · Gastronomie, Einzelhandel, Fitness
Menschen, die den ganzen Tag mit Fremden reden und dabei freundlich bleiben, ohne dass es sie auslaugt. Sie haben nie verkauft, aber sie haben die eine Eigenschaft, die man nicht beibringen kann. Der Rest ist Handwerk.
3 · Empfehlungen aus dem eigenen Team
Der mit Abstand beste Kanal und der am seltensten genutzte. Wer selbst gut verdient, kennt jemanden, der das auch könnte — aber niemand denkt von allein daran. Frag aktiv, setz eine Prämie aus, und zwar eine, die sich lohnt.
4 · Anzeigen auf Social Media statt auf Jobbörsen
Jobbörsen erreichen Suchende. Ein kurzes Video im Feed erreicht Leute, die gerade nicht suchen — und genau die willst du. Was funktioniert: eine echte Person, dreißig Sekunden, die Zahl im ersten Satz, und ein Weg zur Bewerbung, der ohne Lebenslauf auskommt.
5 · Die eigene Karriereseite
Jeder, den ihr ansprecht, schaut euch vorher an. Wenn die Karriereseite aussieht wie ein Formular, ist der Kanal davor egal. Sie muss dieselbe Sprache sprechen wie die Anzeige — Zahl nach vorn, Bewerbung in zwei Minuten, kein Anschreiben.
Der beste Kanal ist der, den keiner nutzt: einfach die eigenen Leute fragen.
Fünfzehn Minuten am Telefon
Ein Lebenslauf sagt nichts darüber, ob jemand an einer fremden Tür bestehen wird. Ein Telefonat sagt fast alles. Achte auf drei Dinge:
- Wie klingt die Stimme, ohne dass sich jemand verstellt? Nicht geschult, nicht laut — angenehm. Wer am Telefon anstrengend ist, ist es an der Tür auch.
- Kann die Person von einer Absage erzählen? Frag nach einer Situation, in der etwas nicht geklappt hat. Wer nur Erfolge erzählt, hat entweder nichts erlebt oder lernt nicht aus dem, was er erlebt.
- War sie zum vereinbarten Zeitpunkt erreichbar? Das ist der härteste Filter und der einfachste. Wer den Rückruftermin nicht einhält, hält auch das Gebiet nicht.
Was du in diesen fünfzehn Minuten nicht brauchst: Branchenkenntnis, Zeugnisse, eine glatte Erwerbsbiografie. Das ist alles nachrangig gegenüber der Frage, ob jemand gern mit Menschen redet und Wort hält.
Die ersten dreißig Tage entscheiden
Die meisten Abgänge passieren nicht, weil jemand ungeeignet war. Sie passieren, weil in Woche zwei niemand danebenstand.
Der erste Tag an der Tür ist für jeden unangenehm. Wer ihn allein durchsteht, hört auf. Wer ihn mit jemandem durchsteht, der es täglich macht, bleibt. Deshalb gehört in die ersten dreißig Tage: gemeinsam rausgehen, jeden Abend fünf Minuten nachbesprechen, ein Wochenziel, das erreichbar ist, und ein erster Erfolg, der schnell kommt.
Und etwas, das Betriebe fast immer unterschätzen: Der neue Mann muss sofort sehen, dass seine Arbeit ankommt. Wenn er sechs Leads holt und drei Tage nichts passiert, ist er weg — nicht wegen des Geldes, sondern weil es sich sinnlos anfühlt. Deshalb hängt Recruiting am Ende an derselben Sache wie alles andere: daran, wie schnell der Lead von der Tür ins Telefon kommt.
Recruiting im Direktvertrieb ist ein eigener Betrieb: Anzeigen schalten, Gespräche führen, nachfassen, ausbilden, nachbesetzen. Wer das neben dem Tagesgeschäft macht, macht es halb — und halb funktioniert hier nicht.
Wenn ihr verkaufen wollt, ohne eine Personalabteilung aufzubauen: Wir übernehmen das. Anzeigen, Auswahl, Ausbildung, fertige Leute in eurem Projekt. Und wenn ihr es selbst machen wollt, ist das genauso richtig — dann nehmt euch die fünf Kanäle oben vor und fangt bei der Empfehlung im eigenen Team an. Der kostet nichts und liefert am schnellsten.
Häufige Fragen
Wie viel verdient ein guter Vertriebler im Direktvertrieb?
Im Photovoltaik-Direktvertrieb sind fünf- bis zehntausend Euro im Monat für jemanden, der liefert, keine Ausnahme. Wer deutlich darunter anbietet, bekommt die Leute nicht — oder bekommt die, die niemand sonst wollte. Der Verdienst ist bei dieser Rolle kein Kostenfaktor, sondern das Rekrutierungsargument.
Warum funktionieren normale Stellenanzeigen für Vertriebler nicht?
Weil sie die falsche Person ansprechen. Wer aktiv nach einer Stelle sucht, filtert nach Sicherheit, Titel und Rahmenbedingungen. Wer im Direktvertrieb erfolgreich wird, sucht meistens gar nicht — der wird angesprochen und reagiert auf zwei Dinge: wie viel Geld möglich ist und wie schnell es losgeht. Eine Anzeige, die mit Firmenprofil und Anforderungsliste beginnt, verliert genau diese Leute.
Was kostet es, einen Vertriebler einzustellen?
Mehr als das Gehalt. Rechne mit zwei bis drei Anläufen pro Stelle, die am Ende hält, dazu Anzeigen, Gesprächszeit und eine Einarbeitung, die drei bis sechs Monate kaum Deckungsbeitrag bringt. Wer nach einem halben Jahr geht, nimmt die komplette Investition mit. Deshalb entscheidet die Auswahl mehr über die Kosten als das Gehalt.
Selbstständige Handelsvertreter oder Festanstellung?
Beides funktioniert im Direktvertrieb. Handelsvertreter kosten erst, wenn geliefert wird, sind dafür schwerer zu binden und in ihrer Arbeitsweise freier. Festanstellung bindet und ermöglicht Führung, kostet aber ab Tag eins. Wichtig ist die saubere Abgrenzung: Wer weisungsgebunden arbeitet, feste Zeiten hat und nur einen Auftraggeber, ist rechtlich womöglich kein Selbstständiger — das gehört vor der ersten Unterschrift zum Steuerberater.
Wie erkenne ich in einem Gespräch, ob jemand an der Tür bestehen wird?
Nicht am Lebenslauf. Zuverlässiger sind drei Dinge: Ob die Person am Telefon angenehm klingt, ohne sich zu verstellen. Ob sie erzählen kann, wie sie mit einer Absage umgegangen ist. Und ob sie zum vereinbarten Zeitpunkt erreichbar war. Wer den Rückruftermin nicht einhält, hält auch das Gebiet nicht.
Kann die LID Group das Recruiting übernehmen?
Ja. Wir schalten die Anzeigen, führen die Gespräche, bilden aus und stellen fertige Leute in euer Projekt. Für Betriebe, die verkaufen wollen, ohne eine Personalabteilung aufzubauen, ist das oft der schnellere Weg. Sprecht uns an, dann rechnen wir es an euren Zahlen durch.
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- Die sieben Fehler an der Tür, die man an sich selbst nicht bemerkt
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Wir melden uns genau einmal nach zwei Wochen und fragen, ob es geholfen hat. Danach nur noch, wenn du willst.
Keine Lust auf Personalabteilung?
Wir schalten die Anzeigen, führen die Gespräche, bilden aus und stellen euch fertige Leute ins Projekt. Sagt uns, wie viele ihr braucht und für welches Gebiet.
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