Ratgeber · Leadgenerierung
Leads kaufen oder selbst erzeugen? Die Rechnung, die kaum jemand aufmacht.
Der Preis pro Lead steht im Angebot. Der Preis pro Kunde steht nirgends. Wer beide nebeneinanderlegt, trifft die Entscheidung in zehn Minuten — und meistens anders als vorher gedacht.
Worum es geht
Was ein Lead kostet — und was ein Kunde kostet
Ein Photovoltaik-Lead kostet in Deutschland je nach Anbieter und Exklusivität grob zwischen 40 und 120 Euro. Das ist die Zahl, über die verhandelt wird. Und es ist die Zahl, die am wenigsten aussagt.
Denn zwischen dem gekauften Datensatz und dem unterschriebenen Vertrag liegen drei Filter, die jeder für sich einen Großteil wegnimmt:
- Erreichbarkeit. Nicht jeder, der ein Formular ausfüllt, geht ans Telefon. Realistisch bleiben 50 bis 70 Prozent übrig, wenn konsequent nachgefasst wird — und deutlich weniger, wenn nach zwei Versuchen aufgegeben wird.
- Terminquote. Von den Erreichten will längst nicht jeder einen Termin. Viele haben „nur mal geschaut", andere sind schon weiter, als das Formular vermuten lässt.
- Abschlussquote. Aus dem Termin wird ein Vertrag — oder eben nicht.
Diese drei Zahlen multiplizieren sich. Und Multiplikation ist gnadenlos: Wenn jeder Schritt „ganz okay" läuft, ist das Ergebnis trotzdem ernüchternd.
Nicht der Leadpreis entscheidet, ob sich Einkauf lohnt. Die drei Quoten dahinter entscheiden.
Das Exklusivitätsproblem
Viele Portale verkaufen dieselbe Anfrage mehrfach. Aus Sicht des Portals ist das schlüssig — die Anfrage hat Akquisekosten verursacht, und drei Käufer bringen dreimal Umsatz. Aus Sicht des Käufers passiert dabei etwas Unangenehmes.
Der Interessent bekommt innerhalb weniger Stunden drei Anrufe. Beim ersten ist er offen. Beim zweiten vergleicht er. Beim dritten fragt er nur noch nach dem Preis. Wer als Dritter anruft, verkauft nicht mehr eine Lösung, sondern nimmt an einer Auktion teil, deren Regeln er nicht gemacht hat.
Das ist der eigentliche Grund, warum die Abschlussquote auf Portal-Leads oft niedriger liegt, als die Anbieterunterlagen versprechen. Nicht weil die Anfrage schlecht war. Sondern weil sie geteilt wurde.
Exklusive Leads kosten mehr. Sie rechnen sich trotzdem häufig besser, weil die Abschlussquote den Preisunterschied überkompensiert. Wer Leads einkauft, sollte deshalb nie nach dem günstigsten Preis suchen, sondern nach dem günstigsten Preis pro Abschluss.
Die Beispielrechnung nebeneinander
Die folgenden Zahlen sind ein Beispiel, keine Garantie. Setz deine eigenen ein — genau darum geht es. Die meisten Betriebe haben diese Rechnung noch nie aufgeschrieben, und das ist der Punkt.
Beispiel: 100 gekaufte Leads zu je 60 €
| Schritt | Annahme | Ergebnis |
|---|---|---|
| Eingekaufte Leads | 100 × 60 € | 6.000 € |
| Davon erreicht | 60 % | 60 Kontakte |
| Davon Termin | 40 % | 24 Termine |
| Davon Abschluss | 20 % | 4,8 Kunden |
| Kosten je Kunde | 6.000 € ÷ 4,8 | 1.250 € |
Nicht enthalten: die Arbeitszeit fürs Telefonieren. Rechnet man einen Mitarbeiter mit, der 100 Leads bearbeitet, kommen leicht 1.500 bis 2.000 Euro dazu — und die Kosten je Kunde steigen auf über 1.700 Euro.
Jetzt der ehrliche Teil: Diese 1.250 Euro sind nicht automatisch zu teuer. Bei einer Photovoltaikanlage mit vier- oder fünfstelligem Deckungsbeitrag kann das ein sehr guter Preis sein. Bei einem Stromvertrag ist es ein Desaster. Die Zahl ist erst dann eine Aussage, wenn sie neben deinem Deckungsbeitrag steht.
Deshalb die zweite Rechnung, die noch seltener gemacht wird: Wie viel Deckungsbeitrag bleibt pro Abschluss? Wenn ein Kunde 2.000 Euro einbringt und 1.250 Euro Akquise kostet, arbeitet der Vertrieb für 750 Euro — und davon ist noch niemand bezahlt.
Was Selbermachen wirklich kostet
Die Alternative heißt: Der Betrieb erzeugt seine Anfragen selbst, an der Haustür oder am Telefon. Dann verschiebt sich die Kostenstruktur grundlegend.
Der eingekaufte Lead ist eine Fixkostenposition: Du zahlst, bevor du weißt, ob etwas daraus wird. Der selbst erzeugte Lead ist eine variable Position: Wer im Direktvertrieb auf Provision arbeitet, kostet erst, wenn er liefert.
Dafür entstehen andere Kosten, die genauso real sind:
- Ausbildung. Jemand muss den Leuten beibringen, wie ein Türgespräch funktioniert. Wer das intern nicht kann, muss es einkaufen oder mit Fluktuation bezahlen — genau dafür gibt es die Türöffner-Methode.
- Anlaufzeit. Die ersten Wochen sind selten produktiv. Das ist normal und trotzdem teuer, wenn man es nicht einplant.
- Führung. Ein Außendienstteam ohne Begleitung zerfällt. Jemand muss mit rausgehen, korrigieren und dranbleiben.
- Gebietsplanung und Recht. Wo darf geklingelt werden, wann, mit welcher Dokumentation? Das ist kein Nebenthema.
Der Unterschied: Diese Kosten fallen einmal an und bleiben dann als Fähigkeit im Unternehmen. Der Leadeinkauf fällt jeden Monat wieder an und hinterlässt nichts. Wer beides nicht selbst aufbauen will, kann die Leadgenerierung auslagern — dann ist die Anfrage wenigstens exklusiv.
Gekaufte Leads sind Miete. Ein eigener Vertriebsweg ist Eigentum.
Wann Leads kaufen die richtige Entscheidung ist
Wir bilden Betriebe darin aus, ihre Leads selbst zu erzeugen. Trotzdem: In diesen Fällen ist Einkauf klar die bessere Wahl, und jeder, der etwas anderes behauptet, verkauft dir etwas.
- Kurzfristiger Kapazitätsengpass. Die Monteure haben in drei Wochen Luft und du brauchst jetzt Termine. Ausbildung dauert länger als drei Wochen.
- Test eines neuen Gebiets oder Produkts. Bevor du eine Struktur aufbaust, willst du wissen, ob überhaupt Nachfrage da ist. Ein paar hundert Euro Leadbudget beantworten das schneller als ein Team.
- Sehr hoher Deckungsbeitrag pro Abschluss. Wenn ein Kunde fünfstellig einbringt, darf die Akquise auch vierstellig kosten. Dann ist Einkauf schlicht bequemer.
- Kein Kopf für Führung. Ein Vertriebsteam ist Personalarbeit. Wer die nicht leisten will oder kann, sollte sie nicht anfangen.
Was in keinem dieser Fälle gilt: dass Leadkauf auf Dauer günstiger wird. Er wird tendenziell teurer, weil mehr Anbieter um dieselben Anfragen bieten. Wer dauerhaft verkaufen will, braucht irgendwann einen eigenen Weg — die Frage ist nur, ob man ihn baut, solange man Zeit hat, oder erst, wenn es weh tut.
Checkliste: Leadanbieter in fünf Fragen prüfen
Wenn du einkaufst, dann wenigstens sauber. Diese fünf Fragen kosten fünf Minuten und filtern die meisten schlechten Anbieter raus:
- Wird dieser Lead exklusiv verkauft, und steht das im Vertrag? Mündliche Zusagen zählen hier nicht.
- Woher kommt die Anfrage konkret? Eigene Kampagne, Vergleichsportal, Gewinnspiel oder eingekauft? Ein Lead aus einem Gewinnspiel verhält sich völlig anders als einer aus einer Suchanfrage.
- Wie alt ist der Lead bei Übergabe? Alles über 48 Stunden ist ein anderes Produkt als das, was verkauft wird.
- Was passiert bei offensichtlichen Fehlleads? Falsche Nummer, Mietwohnung, ausdrücklicher Widerspruch — gibt es eine Reklamationsquote und wie wird sie abgerechnet?
- Gibt es eine Testmenge ohne Mindestabnahme? Wer von 500 Leads Vorkasse verlangt, bevor du 20 testen durftest, hat kein Vertrauen in sein eigenes Produkt.
Und eine sechste, die eigentlich die wichtigste ist: Trag deine Ergebnisse ein. Erreichbarkeit, Termine, Abschlüsse — pro Anbieter, über mindestens 50 Leads. Nach einem Monat weißt du mehr als jedes Verkaufsgespräch dir sagen kann.
Häufige Fragen
Was kostet ein Photovoltaik-Lead in Deutschland?
Am Markt liegen Photovoltaik-Leads je nach Qualität und Exklusivität typischerweise zwischen 40 und 120 Euro. Der Preis pro Lead sagt aber wenig aus. Entscheidend sind die Kosten pro Abschluss: Bei einer Erreichbarkeit von 60 Prozent, einer Terminquote von 40 Prozent und einer Abschlussquote von 20 Prozent kostet ein 60-Euro-Lead am Ende rund 1.250 Euro pro gewonnenem Kunden.
Warum sind gekaufte Leads oft nicht exklusiv?
Viele Portale verkaufen dieselbe Anfrage an drei bis fünf Anbieter, weil das ihr Geschäftsmodell profitabler macht. Für den Käufer bedeutet das: Der Interessent hat beim ersten Anruf schon zwei andere Angebote und vergleicht nur noch den Preis. Exklusive Leads kosten mehr, rechnen sich über die höhere Abschlussquote aber häufig besser.
Lohnt es sich, Leads selbst an der Haustür zu erzeugen?
Es lohnt sich dann, wenn ein Betrieb dauerhaft verkaufen will und bereit ist, einmalig in Ausbildung zu investieren. Selbst erzeugte Leads sind exklusiv, der Interessent hat ein Gesicht zum Angebot und die Abschlussquote liegt in der Regel deutlich über der von Portal-Leads. Für einen einmaligen Kapazitätsengpass ist Leadkauf der schnellere Weg.
Wie erkenne ich einen schlechten Leadanbieter?
Warnzeichen sind: keine klare Aussage zur Exklusivität, keine Angabe zur Herkunft der Anfrage, keine Reklamationsregelung für offensichtliche Fehlleads, Mindestabnahmen ohne Testphase und Leads, die älter als 48 Stunden sind. Wer die Herkunft nicht offenlegt, hat meist einen Grund dafür.
Wie schnell muss man einen Lead kontaktieren?
So schnell wie möglich. Die Abschlusswahrscheinlichkeit fällt mit jeder Stunde, in der niemand anruft, weil parallel andere Anbieter Kontakt aufnehmen. Wer erst am nächsten Werktag zurückruft, zahlt den vollen Leadpreis für eine deutlich schlechtere Ausgangslage.
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